Vorwort
Ich hasse Kiwis 🥝 - puh, das musste gesagt werden. Genug von mir, ab jetzt geht es um dich.
Zu Beginn habe ich ChatGPT gebeten, eine Einleitung für ein Buch über Schmerz zu schreiben – und was du gleich liest, ist die unveränderte Antwort einer künstlichen Intelligenz:
“Stell dir vor, Schmerz wäre eine Sprache, die alle Menschen dieser Welt beherrschen – egal, wo sie geboren wurden, wie alt sie sind, oder welche Erfahrungen sie gemacht haben.
Schmerz verbindet uns, auch wenn er uns gleichzeitig oft trennt.
Wir kennen ihn als pochenden Kopfschmerz, als dumpfes Ziehen im Rücken, als die Wunde nach einer Trennung, oder als stille Last, die wir kaum in Worte fassen können.
Dieses Buch ist eine Einladung, Schmerz anders zu betrachten. Nicht nur als etwas, das man loswerden muss, sondern als etwas, das eine Geschichte erzählt – über den Körper, über Gefühle, über das Leben selbst. Es geht nicht darum, eine Patentlösung zu liefern, sondern darum, Verständnis zu schaffen: für den eigenen Schmerz und für den der anderen.
Vielleicht hast du gerade Schmerzen, vielleicht erinnerst du dich an vergangene, vielleicht bist du neugierig, weil du Menschen kennst, die leiden.
Ganz gleich, mit welcher Haltung du dieses Buch aufschlägst – es soll dich mitnehmen in die Welt des Schmerzes: seine Biologie, seine Psychologie, seine vielen Gesichter. Aber auch in die Möglichkeiten, damit umzugehen, ihm Raum zu geben, ihn manchmal sogar in etwas Wertvolles zu verwandeln.
Ich schreibe nicht als jemand, der alle Antworten hat, sondern als jemand, der Fragen stellt: Was macht Schmerz mit uns? Wie beeinflusst er unser Leben, unsere Beziehungen, unsere Gesellschaft? Und wie können wir lernen, ihn zu verstehen, ohne uns von ihm beherrschen zu lassen?”
Schluss mit KI - Ab hier übernehme ich, dit is mein Buch:
Um deine Zeit zu schonen und dich in deinen Hoffnungen nicht zu enttäuschen: ich bin kein Experte.
Zwar habe ich im Rahmen meines Abiturs Biologie im Leistungskurs absolviert. Hier hatte ich aber eine Sechs. Nicht, weil ich nichts verstanden hätte – im Gegenteil - glaube ich.
Die Zusammenhänge konnte ich sehen, habe sie aber nicht in den Fachbegriffen wiedergegeben, die im Lehrplan standen.
Für meine Lehrerin war das falsch, für mich meine Sprache.
Viele Jahre später, in einer physiotherapeutischen Fortbildung, saß ich in einem Raum voller Kolleginnen und Kollegen.
Wir diskutierten über Strukturen und Funktionen im Körper – ich erklärte Dinge mit Nupsi und Dingsi. Der holländische Dozent schaute mich streng an und sagte (in einem ausgesprochen intensiven holländischen Aktent):
„Junger Mann, das ist nicht mein Duktus.“ Ich hätte damals gerne geantwortet: „Aber meiner.“
Damals war ich weniger schlagfertig, als ich es noch heute gerne wäre.
Es ist genau dieser Duktus, der mich bis jetzt begleitet – wissenschaftliche Inhalte so zu übersetzen,
dass Menschen sie wirklich verstehen - das ich sie verstehe.
Nicht, weil ich das Fachliche nicht könnte - nein, sondern weil ich weiß, dass Fachbegriffe nur dann tragen, wenn sie verstanden werden. Und weil ich glaube, dass Schmerz erst dann seinen Schrecken verliert, wenn wir ihn in unseren eigenen Worten begreifen. Es ist mir egal, ob ein Fortbildungsleiter aus Rotterdam, oder die Lehrerin meiner Schule von meinem Fachjargon beeindruckt sind. Ich lege keinen Wert auf Kompetenz. Kompetenz hemmt Dialoge. Ich lege wert auf Augenhöhe.
Es geht in diesem Buch nicht darum, dass ich etwas sage, sondern, dass es überhaupt gesagt und verständlich wird.
Schmerzbezug
Wenn wir über Schmerz reden, gehen wir vielleicht davon aus, dass wir mit jeder Person im gleichen Rahmen sprechen.
Meine erste, eigene Assoziation mit Schmerz ist ehrlich gesagt beschissen - Hexenschuss, Meniskusriss, eine Entzündung in der Schulter und Nackenschmerzen sind Bilder die mir direkt in den Kopf kommen.
Will ich nicht, brauche ich nicht, möchte ich gerne vermeiden.
Ich assoziiere, dass deine Beziehung zu Schmerzen meiner ähnelt - aber das muss sie ja garnicht, oder?
Denke ich einen Moment länger nach, erinnere ich mich an Trainingserfahrungen, an ein immenses, fast schönes Brennen in den Oberschenkeln, an Muskelkater und den damit, komischerweise, verbundenen Stolz - dieses perfide Glücksgefühl voll Zufriedenheit, über die erbrachte Leistung vom Vortag.
Auch wenn ich es nicht gerne zugebe, aber ein bisschen Schadenfreude spielt doch auch eine Rolle, oder nicht?
Sich im Familien-/ oder Freund*innenkreis daran zu erinnern, wie man damals ausgerutscht ist, oder wie dieser oder jene vor eine geschlossene Glastür lief. Letztens habe ich mir den Fuß gestoßen und obwohl es weh tat, habe ich laut über meine eigene Dummheit gelacht.
Ein und die Selbe Schmerzerfahrung lösen bei verschiedenen Menschen, verschiedenste Reaktionen aus.
Alter, kultureller, intellektueller, familiärer Hintergrund, die allgemeine körperliche Verfassung, Lebenserfahrung, Hoffnungen und Wünsche - all das, was dich als Mensch ausmacht, macht deine eigene Beziehung zu Schmerz aus.
Vielleicht ist es deshalb gut, wenn wir uns von meiner ersten Vorstellung für einen Moment lösen und uns daran erinnern,
wie subjektiv wir werden, wenn wir über unseren Schmerz sprechen;
wenn wir darüber nachdenken, was Schmerz eigentlich ist, dann hat er oft mehr zu bieten als die eigene Sichtweise.
Vielleicht können wir ja in dieses Thema starten und uns immer wieder daran erinnern, dass Schmerz nicht nur dadurch ausgezeichnet wird was wir fühlen, sondern auch dadurch was wir über ihn denken.