Pavlov’s Tanz mit dem Placebo & Schokolade
Falls du dich am Anfang gefragt hast von welchem Hund ich spreche, jetzt kommt der Hund ins Spiel.
Ivan Petrowitsch Pawlow hat Anfang des 19. Jahrhunderts an Hunden experimentiert. Über Wochen hinweg bimmelte bei jeder Futtervergabe an seine Laborhunde eine Glocke. Irgendwann konnte nur mit der Glocke selbst- ohne Futter - bei den Hunden der Speichelfluss angeregt werden. Pawlow hat damit etwas gezeigt: Die Erwartungshaltung allein ändert etwas im Körper - bei Hunden. Man kann Körper konditionieren.
Auch wenn es jetzt leicht gesagt wäre, dieses Ergebnis auf Vierbeiner zu beschränken: klassische Konditionierung hast du schon oft selbst erlebt. Du bist sicher schon einmal leicht hungrig am Süßigkeitenregal eines Supermarktes vorbei gegangen, oder?
Immer wenn ich das tue, bleibe ich bei der Schokolade stehen. Ich liebe Schoko-Brownies und alles was süß und ungesund ist. Wir alle kennen das Gefühl, wenn der Mund wässrig wird. Wenn ich stattdessen an Zitronen oder etwas anderes Saures denke, kribbelt mein Mund und meine Lippen werden spitz.
Als ich ein Kind war und am Weihnachtsabend die Bescherung nahte, mussten wir Kinder immer noch kurz in unsere Zimmer - das Christkind war schüchtern und wollte ungestört und ungesehen die Geschenke bringen. Mäuschen spielen war nicht erlaubt. Irgendwann, diesen Klang werde ich nie vergessen, klingelte hell und klar eine goldene Glocke. So kündigten meine Eltern an, dass wir kommen dürfen. Die Bescherung begann.
Vor etwa einem Jahr fand ich auf einem Flohmarkt exakt so eine Glocke. Der Klang wirkt bis heute. Wenn ich schlecht drauf bin, lasse ich sie erklingen und für einen Moment falle ich in die Erinnerung von damals zurück. Mein Herz schlägt schneller. Meine Mundwinkel gehen etwas nach oben. Sanfte Falten bilden sich um meine Augen. Manch einer würde es ein Lächeln nennen.
Eine Glocke löst Euphorie und Herzrasen aus. Ein Brownie verstärkt meinen Speichelfluss, Zitronen machen mich spitz.
Forscher haben auf dieser Basis über das Beobachten von Hirnströmen untersucht, ob sich Erwartungen bei chronischen Schmerzen auf die Schmerzerfahrung auswirken.
Eine Reihe von Menschen wurde zuerst zu, für sie, schmerzhaften Bewegungen befragt. Während sie schließlich auf einem komfortablen Stuhl saßen, zeigte man ihnen Bilder dieser Bewegungen. Dabei waren sie angeschlossen am EEG (einem Gerät mit dem Hirnströme gemessen werden).
Ihre Gehirne reagierten. All die Zentren die du schon kennen gelernt hast zeigten Aktivität.
Das heisst: ohne Bewegung begannen im Hirn bereits Schmerzprozesse zu wirken.
In anderen Untersuchungen konnte sogar im Blut nachgewiesen werden, dass das bloße Gespräch über die individuelle Schmerzsituation zur Ausschüttung von Stresshormonen führt. In anderen Worten: Ein Gedanke hat die Zusammensetzung des Blutes kurzfristig verändert.
Schmerz konditioniert uns.
Für viele ist der Placeboeffekt nichts als Einbildung. Man ist überzeugt von der Wirkung eines Medikaments und in der Konsequenz geht geht es einem dann besser (Was wäre daran schlimm?) Aber so ist es nicht.
Dein Körper reagiert auf alles in deiner Umgebung, dein Erleben und deine eigene Geschichte. Alles was du erfährst, hoffst und träumst hat einen Einfluss. Es prägt die Entscheidung, die dein Nervensystem trifft, um dich auf die nächsten Schritte in deinem Leben vorzubereiten. Hirnströme, Hormonspiegel, Blutdruck verändern sich, sogar das Immunsystem reagiert.
Diese Veränderungen sind Messbar und wurden bereits duzende Male in der Forschung nachgewiesen.
Dein Körper bereitet Heilung vor, genauso wie er mich im Supermarkt mit Speichelfluss auf einen leckeren Brownie vorbereitet.
Der Placeboeffekt ist keine Pille. Er ist Erwartung die Einfluss auf die feine Mikrobiologie deines Körpers nimmt.